Erinnert ihr euch an diese Mixtape-Kassetten und später CDs? Die Scheiben, auf denen komplett unterschiedliche Musikgenres nebeneinander auf einer Platte saßen? Der BMW 5er Gran Turismo war genau so etwas: Er vermischte Ideen der normalen 5er-Reihe, des X6 und der 7er-Reihe in einem einzigen Fahrzeug.
Auf dem Papier sah das nach einem Erfolgsrezept aus, doch das Modell scheiterte am Markt aus einem einfachen Grund – der 5er GT war für die meisten Käufer einfach zu seltsam.
Alles begann mit dem Kofferraum. BMW entwickelte ein unglaublich komplexes Heckklappendesign mit zwei unterschiedlichen Öffnungsarten. Man konnte die gesamte Heckklappe hochklappen und erhielt dann einen riesigen, hatchback-ähnlichen Laderaum – in dem Fall hätte es allerdings mehr Sinn gemacht, einfach den 5er Touring zu kaufen.
Um den GT noch ungewöhnlicher zu machen, bauten die Ingenieure ein zweites Scharnierpaar in die Mitte der Klappe. Das Ergebnis war eine der kleinsten Kofferraumklappen im Segment – mit praktisch keiner horizontalen Fläche. Sie öffnete sich wie ein schmaler Schlitz, was das Herausnehmen von Einkäufen oder Gepäck, das nach vorne gerutscht war, extrem umständlich machte.
Ähnliche Lösungen gab es bereits beim Renault Modus und beim Škoda Superb, doch BMW verfolgte einen grundlegend anderen Ansatz. Sie schufen ein echtes separates Kofferraumabteil mit einer starren Trennwand, einem internen Notfallöffner und einem komplexen dreiteiligen Mechanismus.
Im Grunde verwandelte BMW einen Hatchback in eine Limousine, indem er eine starre Trennwand einbaute. Das klingt verrückt, hatte aber eine Logik: Die Trennwand und die dicke Kofferraumabdeckung sollten Geräusche aus dem Laderaum minimieren, damit sich die Kabine fast wie in einer 7er-Reihe anfühlte.
Und das funktionierte. Das Auto konnte mit dem Luxury Rear Seating Package ausgestattet werden, das den praktischen GT in ein viersitziges Luxusfahrzeug verwandelte. Die Rücksitze waren nicht nur beheizt und belüftet – sie verfügten über verstellbare Lehnen und elektrisch verstellbare Kopfstützen. Dazu ein Rear-Entertainment-System, und schon hatte man im Grunde ein Business-Class-Auto auf Rädern.
Dieses Layout ergab Sinn, denn die ungewöhnliche Karosserie bot Beinfreiheit, die fast an die 7er-Reihe heranreichte, und Kopffreiheit vergleichbar mit einem X5. Und das alles gab es bereits im 535i GT, sodass Käufer die berüchtigten Probleme des Biturbo-V8 N63 umgehen und sich auf das gewohnte BMW-Zuverlässigkeitsniveau verlassen konnten.
Das größte Problem blieb die Optik. Während der erste X6 zwar seltsam aussah, aber zumindest einen sportlichen Auftritt hatte, nahm der 5er GT dieselbe Fastback-Idee, fügte mehr Glas, mehr Blech und deutlich weniger visuelles Drama hinzu. Das Ergebnis war nicht hässlich, sondern einfach ungelenk und etwas langweilig.
Andererseits ist genau das der Grund, warum gebrauchte Exemplare heute relativ günstig zu haben sind. Und da sie technisch auf dem BMW F10 basieren, sind sie nach wie vor hervorragende Premium-Automobile für lange Reisen.
Der BMW 5er GT bleibt ein wirklich rätselhaftes Modell. Es fällt schwer zu entscheiden, ob BMW ein vernünftiges Auto verrückt gemacht hat oder eine verrückte Idee in eine überraschend vernünftige Maschine verwandelt hat.
Es ist wie eine 7er-Reihe, in die man ein Fahrrad laden kann, oder ein 5er, den jemand mit einer Luftpumpe aufgeblasen hat. Wie auch immer – wenn die Autos der 2010er endlich zu Klassikern werden, wird dieser seltsame und missverstandene BMW mit ziemlicher Sicherheit zu den meistdiskutierten Fahrzeugen auf künftigen Retro-Festivals gehören.





